Meine derzeitige Lieblingsserie heißt Call the Midwife. Warum ich sie so mag, möchte ich euch heute erzählen.

Call the Midwife ist eine britische BBC-Serie, die ich über Netflix schaue. Es geht zunächst um die wunderbare junge Krankenschwester Jenny Lee. Mitte der 1950er Jahre kommt sie in den armen Bezirk Poplar im Londoner East End, um – nach einer Zusatzausbildung zur Hebamme – ortsansässige Ordensschwestern zu unterstützen. Dabei stößt sie an ihre Grenzen. Sie lernt, das eigene Glück wertzuschätzen, erleidet einen schweren Schicksalsschlag und wächst über sich hinaus. Die Serie (zumindest die ersten Staffeln) basieren auf den Memoiren der Hebamme Jenny Worth.

Jenny Lee & Friends – nette Mädchen von Nebenan

Über die Figur Jenny Lee mit ihren Gefühlen, Gedanken und ihrer Vergangenheit erfährt der Zuschauer eher wenig. Auch ihre geheimnisvolle Liebesgeschichte aus dem vorherigen Lebensabschnitt, die sie bis nach Poplar verfolgt, bleibt ein Mysterium. In die liebenswürdige Hebamme kann man sich glatt verlieben. Sie ist aufrichtig, herzensgut und kollegial. Aber manchmal wünschte ich mir, sie würde auch mal ausrasten. Oder warum übertreibt sie nicht auch mal mit dem Alkohol, den die jungen Krankenschwestern heimlich abends bei Zigarettchen und Klatsch und Tratsch im Ordenshaus konsumieren? Tatsächlich fehlt es der anfänglichen Protagonistin etwas an Tiefe. Aber man liebt sie trotzdem, oder gerade deshalb, die hübsche Miss Jenny Lee.

Da sind ihre Kolleginnen, die gewiefte Trixie, die trampelige, herzensgute Chummy oder die taffe, geheimnisvolle Patsy schon etwas vielschichtiger. Sie werden vor allem in späteren Staffeln näher beleuchtet.

Echte Säuglinge und wunderbarer Kitsch

Man fragt sich immer wieder: Wie haben die das nur gemacht? – So realistisch kommen Folge für Folge die Babys bei Call the Midwife zur Welt. Für die Dreharbeiten werden nur echte Babys herangezogen, die mit Traubensaft und Filmblut präpariert, noch einmal die Situation ihrer Ankunft im Leben nachstellen. Pro Staffel gibt es etwa 60 bis 70 Säuglinge. Dabei sind die Geburten sind immer sehr emotional. Je nachdem, welche Geschichte die jeweilige Familie zum Hintergrund hat, leidet man mit oder freut sich mit ihnen.

Gezeigt werden persönliche Schicksale im historischen Kontext. Der zweite Weltkrieg mit seinen Nachwehen, Homosexualität, Rassismus, Behinderungen, Tot- und Fehlgeburten, Migration, und viele weitere Themen werden angesprochen. Mir kommen wirklich in jeder einzelnen Folge an irgendeinem Punkt die Tränen. Das kommt daher, dass die Macher ihr Handwerk wirklich gut verstehen. Sie setzen die Geburten mit der passenden Musik, emotionalen Geschichten und Aktionen der Darsteller perfekt in Szene.

50’s: Babycham, Rock & Roll und Wasserwelle

Natürlich liebe ich Call the Midwife auch wegen der schönen 50’s-Mode, den Hair Styles und des Life Styles dieser Zeit – auch wenn Poplar natürlich nicht Manhatten ist und der Flair nicht mit dem von Mad Men mithalten kann. Ich liebe es, wenn die Hebammen auf ihren Vintage-Fahrrädern in schwingenden Röcken durch die Stadt fahren und wenn kleine Babys in niedlichen Strickkombis in Pastellfarben stecken. Von den tollen großen 50er-Jahre-Kinderwagen mal ganz abgesehen (über die könnte ich einen ganzen Tag lang schwärmen).

Ich möchte weder gerne mit den jungen Krankenschwestern noch mit den Müttern in der Serie tauschen. Letztere leben häufig in den ärmsten Verhältnissen und unter unhygienischen Bedingungen. Erstere müssen in dieser Umgebung die beste Arbeit leisten. Trotzdem freue ich mich momentan jeden Tag darauf, das nächste Mal Zeit für eine Folge Call the Midwife zu haben.