Ich habe eine gute Freundin, die mir immer wieder das Konzept Familienbett schmackhaft machen will. Wenn wir uns sehen, zählt sie mir an irgendeinem Punkt im Gespräch die Vorteile des Familienbetts auf. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie mich bekehren will. Wie fast jede Mami, habe auch ich mir natürlich Gedanken um den Schlaf meines Babys gemacht, aber das Familienbett war für meinen Mann und mich nie eine Option. Ja, ich möchte fast sagen, ich habe gewissermaßen eine Abneigung gegen das Familienbett.

Familienbett – Das Konzept

Das Konzept Familienbett ist eigentlich ganz einfach und der Name verrät bereits eindeutig, um was es hier geht: Die ganze Familie schläft zusammen im selben Bett. Für viele Familien in den ersten Wochen nach der Geburt eines Babys vollkommen normal. Anhänger des Konzepts verbringen die Nächte oft auch Jahre später noch in Familie. Sie glauben fest daran, dass die Kinder dadurch besser schlafen, ihre Entwicklung und ihr Selbstwertgefühl positiv beeinflusst werden und alle von diesem Arrangement langfristig profitieren. Sie glauben auch, dass das Kind irgendwann sicher von ganz allein den Weg aus dem Familienbett in sein eigenes finden wird, ganz ohne Druck.Familienbett

Argumente gegen das Familienbett

Meine Argumente gegen das Familienbett basieren einerseits auf den Erfahrungen, die ich selbst als Kind und als Mama gemacht habe, andererseits auf denen meines Bruders als Vater seiner im Familienbett schlafenden Tochter.

Babys können auch in ihrem eigenen Bett sehr gut schlafen, einige bestimmt sogar besser, als im Familienbett. Ich selbst habe seit ich sechs Wochen alt war, in meinem eigenen Bett geschlafen, und zwar sehr gut. Ich hatte nie ein Problem damit, abends ins Bett zu gehen. Im Gegenteil – ich habe mich immer sehr darauf gefreut. Gemütlichkeit, Erholung, Kuscheln – das sind Assoziationen, die ich mit dem Wort „Bett“ verbinde. An den Wochenenden durften meine beiden Brüder und ich am frühen Morgen regelmäßig ins Bett meiner Eltern kommen. Ein schönes Ritual. Auch unser Sohn zeigte uns schon früh, dass er mehr Abstand von uns brauchte. So konnte er mit etwa einem halben Jahr nicht mehr ruhig in unserem Schlafzimmer schlafen, obwohl er in seinem eigenen Bett lag und ist bei jedem Geräusch von uns wachgeworden. Wir quartierten unser Baby einfach aus, in sein eigenes Zimmer. Seitdem schläft er wunderbar.

Paar bleiben trotz Familienbett?

Die Paarbeziehung der Eltern bleibt auf der Strecke, wenn die ganze Familie sich ein Bett teilt. Es mag ja Eltern geben, die trotz Baby im selben Bett intim miteinander werden können. Mein Mann und ich gehören nicht zu der Sorte – für uns war es schon ein Abturner, dass unser Baby die ersten Monate im Beistellbettchen lag. Wir mussten hohe Mauern aus Stillkissen bauen, um überhaupt mal was zu wagen. Und auch dann waren wir bei jedem tieferen Atemzug unseres Sprösslings alarmiert. Das Familienbett ist der Killer jeder Intimität zwischen den Eltern. Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass einige Mamis das Familienbett bewusst als willkommene Ausrede gegen regelmäßige Zweisamkeit mit ihrem Partner wählen.

Kinder lernen nicht, alleine einzuschlafen und werden durch ihre Eltern beim Tiefschlaf gestört: Besagte Freundin, der Familienbett-Fan, geht jeden Abend mit ihrem Baby ins Bett. Auch, wenn wir zum Abendessen zusammen sitzen, verabschiedet sie sich um 20 Uhr mit ihrem Kind ins Schlafzimmer und kommt, wenn überhaupt, erst zwei Stunden später wieder heraus. Das Baby braucht zum Einschlafen seine Mama, die neben ihm liegt, und lässt sie nur schweren Herzens wieder gehen. Und sobald die Eltern sich auch zum Schlafen ins Bett begeben, gibt es Bewegung und Geräusche, die das Kind sicherlich, auch wenn es weiterschläft, aus seiner Tiefschlafphase herausholen.

Irgendwann schläft das Kind schon im eigenen Bett

Das Familienbett hat kein Verfallsdatum. Anders gesagt, niemand weiß, wann genau sich das Kind zum Schlafen im eigenen Zimmer entscheidet. Das kann, wie im Falle der Familie meines Bruders, über Jahre nicht der Fall sein. Eltern, die das Familienbett einführen, müssen diese Entscheidung gut überlegt haben, denn es geht nicht so einfach zurück. Sobald ein Kind versteht, dass es plötzlich nicht mehr bei seinen Eltern schlafen soll, empfindet es dies als Liebesentzug und wird in vielen Fällen rebellieren. Es sieht sich als Teil eines Dreierteams und in dieser Hinsicht als gleichberechtigt mit seinen Eltern. Es wird sehr schwer sein, dies wieder geradezurücken.

Jedes Kind und jede Mutter, jeder Vater sind anders und das ist auch gut so. Es gibt sicher Babys, die das kuschelige Nest in Mamas und Papas Nähe brauchen, um gut schlafen zu können. Jedes Elternpaar sollte daher individuell die Entscheidung treffen, ob das Familienbett das richtige ist.