Als frischgebackene Mama habe ich anfänglich in einigen Situationen gedacht, dass ich mit unserem Baby am besten Bescheid weiß. Ich war die beste Wicklerin, die beste Ins-Bett-Bringerin, die liebste Trösterin. Ich wusste natürlich alles besser als mein Mann, der von morgens bis abends im Büro saß und hatte ständig das Gefühl, ich müsste ihm Tipps geben, wie man unseren Kleinen richtig hält, dass es bequem ist, wie man am effektivsten und schnellsten seine Windeln wechselt und welche Schlaflieder er besonders gerne mochte. Immer öfter hatte mein Mann dann keine Lust, diese Aufgaben zu übernehmen und überließ mir diese – ich mache es ja sowieso besser als er.

Irgendwann fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen: Ich hatte meinen Mann entmutigt. Mit meiner ständigen Besserwisserei in Bezug auf unser Baby hatte ich ihm die Lust genommen, den Alltag mit ihm aktiv mitzugestalten. Immer öfter fragte er mich: Was soll der Kleine anziehen? Was soll er zu essen bekommen? Welche Flasche soll ich nehmen? Als mir das bewusst wurde, ruderte ich zurück. Ich muss zugeben, dass es mir anfänglich in vielen Situationen sehr schwer fiel, den Mund zu halten und nicht zu kritisieren oder mit hilfreichen Tipps zu kommen. Immerhin war ich doch diejenige, die den ganzen Tag mit unserem Baby verbrachte und das Recht gepachtet hatte, es am allerbesten zu kennen.

Schließlich hat sich  meine Zurückhaltung aber ausgezahlt: Jetzt habe ich jeden Samstag und Sonntag früh frei und kann ausschlafen, weil mein Mann den Morgen allein mit unserem Sohn verbringt. Er wird satt und es wird mit ihm gespielt. Auf welche Weise muss mir egal sein, denn sonst entspanne ich mich nicht. Zugegeben – manchmal stehe ich aus dem Bett auf, gehe rüber ins Wohnzimmer und denke: Huch, was hat er denn an?! Die wildesten Farb-, Muster- und Stilkombinationen können jedes Wochenende an unserem Kind betrachtet werden. Sei’s drum – unser kleiner Mensch friert nicht und ich kann ausschlafen. Win-win!

Außerdem habe ich nun des Öfteren auch abends mal Zeit für einen Mädelsabend mit meinen Freundinnen oder kann in Ruhe meine Lieblingsserie bei Netflix schauen, während mein Mann unseren Kleinen ins Bett bringt. Zeit, die für mich unbezahlbar ist. Ich kann meine Batterien wieder aufladen und die beiden Männer verbringen wichtige Quality Time zusammen.

Natürlich ist es für Kinder sehr wichtig, auch eine tiefe Bindung zum Vater zu haben und diese Bindung entsteht bereits als Baby, wenn nicht sogar schon im Bauch. Wenn ich werdenden und frischgebackenen Mamas einen Tipp geben dürfte, dann wäre es dieser: Ihr könnt eure Partner gar nicht genug in die Fürsorge und Erziehung eurer Kinder einbinden. Auch wenn – oder gerade weil – sie die Dinge oft anders machen, sind sie eine so gute Abwechslung für euer Kind. Ihr werdet zunehmend bemerken, auf welche verschiedenen Weisen sowohl Vater als auch Kind davon profitieren, dass ihr sie einfach machen lasst. Auch ihr seid so entspannter und könnt eure gewonnene Zeit genießen. Und für mich ist es jetzt das Schönste, zu erleben, wie stolz mein Mann ist, wenn er unserem Sohn erfolgreich z.B. die nächtliche Milchflasche abgewöhnt hat oder ihn viel schneller als ich in den Schlaf wiegen kann. Papas sind wichtig und wollen sich auch so fühlen. Lassen wir sie doch.