Für eine Studienfahrt führte uns die Reise nach Malaysia. Es war eine demokratische Abstimmung und zuvor war ich mir sicher, dass ich niemals nach Asien reisen würde, weil mich dieser Kontinent einfach so gar nicht reizte. Meine Vorstellungen waren schwüles Wetter, Reis mit Fleisch von Tieren, die wir in Europa nicht unbedingt essen würden, viele, viele Menschen, Armut, eine verrückte Sprache und so weiter.

Bevor wir unsere Kommilitonen in Kuala Lumpur trafen, beschlossen wir uns noch ein wenig das Land anzusehen und statt auf die Insel Langkawi zu reisen, die relativ touristisch sein soll, entschieden wir uns für die Insel Tioman im Osten des Landes.

Bei der Planung bemerkte ich bereits, dass ich ein wenig nervös war, was diese Insel betrifft. Wir fuhren also mit dem Bus von Singapur nach Mersing und sollten von dort aus die Fähre nehmen. Dort angekommen (und es gab dort wirklich gar nichts) erfuhren wir, dass wir 8 Stunden auf die Fähre warten müssen. Wir konnten das überhaupt nicht verstehen und beschlossen einen kleinen Spaziergang mit unserem riesigen Koffer zu machen. Die Stadt war hässlich – überall streunende, fast verhungernde Katzen, Müll, Menschen, die uns Obst, das Stunden mitten in der Sonne stand, anbieten wollten und auch das Meer haben wir gar nicht gesehen. Einige Stunden später verstanden wir dann auch warum. Die Gezeiten sind dort so extrem, dass das Meer einfach komplett verschwindet und man weit und breit kein Wasser mehr sieht. Dementsprechend kann die Fähre auch nur einmal am Tag fahren. Die Fähre, die dann letztendlich kam, hatte auch schon ihre besten Zeiten hinter sich und wir stiegen gemeinsam mit den Einheimischen ein – offensichtlich die einzigen Touristen weit und breit. Direkt nachdem wir losgefahren waren, bekamen wir die erste Panik. Alle sollten schnell aufstehen und nach vorne gehen. Wir waren uns sicher: Jetzt ist alles vorbei! Aber die Einheimischen schienen ganz locker und es stellte sich heraus, dass die Ebbe einfach noch nicht ganz verschwunden war und die Schiffsschraube hinten ein wenig den Boden berührt hatte. Um das Gewicht zu verlagern sollten wir also alle vorne stehen. “Little bit overload” sagte ein lächelnder Asiate zu uns als wäre es das normalste der Welt. Wenige Minuten später durften wir uns wieder auf die Plätze setzen und die Fähre beschleunigte. Anders als geplant war es dann schon stockdunkel als wir auf der Insel ankamen. Es folgte eine Taxifahrt quer über die Insel mitten durch den Dschungel. Der Taxifahrer hätte uns entführen können und keiner hätte es gemerkt. Und als wir dann an unserem “Hotel” (Coconut Grove) angekommen waren und es sich nur um eine kleine Holzhütte, die man nicht abschließen kann, und in deren Badezimmer man von außen reinklettern kann, handelte, machte ich die restliche Nacht kein Auge zu und dachte darüber nach, warum wir uns das angetan hatten.

Soweit zu meinen Vorurteilen und Befürchtungen.

Letztendlich hatte ich die schönste Zeit meines Lebens auf der Insel. Als ich am nächsten Morgen dem Hotelchef Andy von meinen Ängsten erzählt habe, sagte er nur “du brauchst doch keine Angst haben, wir passen auf dich auf”. Und genau das bestätigte sich auch den Rest der Woche lang. Die Einheimischen (die auch fast alle Englisch sprachen) waren die nettesten Menschen, die ich jemals getroffen habe. Ein Mann ging beispielsweise jeden Tag mit einem Wagen in den Dschungel und kam mit viel Mühe mit einigen Kokosnüssen zurück, die er dann noch teilte. Auf der Insel sorgt jeder für jeden. Alle Menschen grüßten uns, das Essen und die frisch gepressten Säfte waren super lecker und wenn ich zu starken Sonnenbrand hatte, haben mir die Einheimischen direkt Aloe Vera aus ihrem “Garten” geholt und mich eingerieben. Wir haben durch den ständigen Kontakt zu ihnen auch viel über ihre Kultur und Religion erfahren.

Und das Beste natürlich: Wir waren tatsächlich die einzigen Touristen weit und breit. Wir konnten kilometerlang am Strand entlanglaufen, ohne auch nur einen Menschen zu sehen. Wir sahen Haie, wir sahen Affen, wir befreundeten uns mit einem Mann aus Singapur, der uns eine Dschungeltour gab (barfuß und mittendurch), wofür wir ihn wiederum zum Essen einluden. Auch die Schnorchel-Tour mit den Einheimischen war klasse.

Ich kann Malaysia jedem, der nach Südostasien fliegt, empfehlen. Momentan scheint Thailand, Vietnam und Indonesien sehr im Trend zu sein, aber auch Malaysia ist ein wunderschönes Land, dass ich auf jeden Fall wieder besuchen werde.

Meine Vorurteile hatten sich nicht bestätigt und das zeigt, dass Reisen tolerant macht und einige in unserer Gesellschaft es vielleicht häufiger ausprobieren sollten und auch mal außerhalb von Europa Länder anzuschauen, denn man wird offen für das Fremde, bekommt die Augen geöffnet und sieht auch einige Dinge, die in Europa passieren, dann nicht mehr ganz so eng. Man lernt unheimlich viel.

“Reisen ist das Entdecken, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken.” – Aldous Huxley

Kleiner Tipp: Unsere Reise fand Ende März statt, direkt nach der Monsunzeit. Das könnte ebenfalls dazu beigetragen haben, dass so wenige Touristen dort waren.