Ich hatte nie gedacht, dass es einfach würde, meinen einjährigen Sohn nach einem intensiven Jahr in Elternzeit in der Tagesbetreuung abzugeben, um wieder arbeiten zu gehen. Meine Befürchtungen drehten sich im Vorhinein jedoch hauptsächlich darum, ob es für uns als Familie vereinbar wäre, Job und Kind unter einen Hut zu bringen. Wie würde es mit den Arbeits- und Bring- und Abholzeiten klappen? Würde unser Sohn sich gut eingewöhnen lassen? Dass er mit Eintritt in die Tagesgruppe aber ständig krank sein würde – daran hatte ich überhaupt nicht gedacht.

Fiese Kinderkeime – Viren, Bakterien und Antibiotika

Eigentlich sollte ich froh sein. Mein Kleiner hat die Eingewöhnung bei der Tagesmutter super mitgemacht, hat nicht geweint, wenn ich wegging und war laut der Tagesmutter das ideale Eingewöhnungskind. Deshalb war es mir auch möglich, bereits nach zwei Wochen Eingewöhnung wieder in meinen Beruf einzusteigen. Doch schon nach ein paar Tagen im Büro hatte er den ersten Infekt mit Fieber, Husten, Schnupfen und schlechter Laune. Mit Fieber konnten wir ihn nicht zur Tagesmutter bringen. Nicht nur für unseren kranken Sohn empfanden wir es eine Quälerei, in diesem Zustand in die Betreuung gehen zu müssen. Wir sahen auch unsere Verantwortung gegenüber den anderen, noch gesunden Kindern, diese nicht anzustecken.

Also schleppten wir unseren Sohn zum Kinderarzt, wo man ihn für ein paar Tage krankschrieb. Die Kinderkrankentage teilten wir beiden Eltern uns auf. Nach ein paar Tagen konnte unser Kleiner auch wieder in die Tagesgruppe. Es vergingen drei gute Tage, bevor er den nächsten Infekt mit nach Hause brachte. Dieses Mal ging es nicht ohne Antibiotika und der Kleine litt sichtlich. Da mein Mann in dieser Woche beruflich sehr stark mit Terminen eingebunden war, übernahm ich drei Krankentage, er die beiden anderen. Wir hatten diesmal ganze vier gute Tage, bevor unser Kleiner wieder krank wurde. Glücklicherweise konnten meine Schwiegereltern einige Krankentage übernehmen, sodass mein Mann und ich jeweils nur zwei Tage mit ihm zu Hause blieben. Nach diesem dritten Infekt vergingen tatsächlich drei tolle Wochen, bevor wir jetzt wieder ein fiebriges, hustendes Kind zu Hause haben und überlegen müssen: Wer bleibt wann mit dem Kind zu Hause?

Kind ständig krank – gestresste Eltern, genervter Arbeitgeber

Das Problem: Natürlich finden Arbeitgeber es nicht toll, wenn ein Mitarbeiter wegen des kranken Kindes nicht arbeiten kann. Wichtige Dinge bleiben liegen oder die Aufgaben des nicht anwesenden Mitarbeiters müssen von den Kollegen miterledigt werden. Verständlich, dass der ein oder andere Chef da auch mal einen Spruch macht. Als Eltern steckt man in einer großen Zwickmühle: Das Kind braucht Mama oder Papa. Widersetzt man sich dem natürlichen Gefühl, das Kind in seiner schweren Zeit zu Hause gesund pflegen zu wollen, bekommt man mit der Tagesbetreuung Probleme.

Als Elternteil steckt man in der Zwickmühle

Kinder mit einer Körpertemperatur von über 38,5 ° dürfen nicht gebracht und müssen abgeholt werden. Fragen wie: „Warum bringen Sie Ihr Kind in die KITA? Es hat doch offensichtlich Fieber!“ führen dazu, dass sich arbeitende Eltern, die versuchen, Kind und Job unter einen Hut zu bringen, schnell wie Rabeneltern fühlen. Bleibt man mit dem Kind zu Hause, sind die gesetzlichen zehn Krankentage, die ein Elternteil für die Betreuung des kranken Kindes jährlich hat, sehr schnell aufgebraucht, der Arbeitgeber ist meist negativ gestimmt und man fühlt sich zwischen den Stühlen. Zu Hause arbeiten klappt aber meist auch nicht mit krankem Kind, sodass man nicht mal das Home Office als Alternative anbieten kann. Für Eltern, die allein auf weiter Flur für die Betreuung ihrer kranken Kinder da sind (also keine Großeltern oder andere Familienmitglieder in der Nähe haben, die mal einspringen könnten), ist es eine verfahrene Situation.

Mein Kind ist ständig krank – Was tun?

Eine Lösung habe ich hier leider nicht parat. Vielleicht hilft es aber, wenn alle Beteiligten (Eltern, Arbeitgeber, Kinderärzte, Betreuungspersonen) etwas mehr Verständnis für die Situation des anderen haben. Vielleicht hätte es uns geholfen, unser Kind später in die Betreuung zu geben und lieber noch ein halbes Jahr Elternzeit zusätzlich zu nehmen. Dann wäre es Sommer und es würden nicht so viele Keime und Schnupfnasen im Umlauf sein. Andererseits wird das Immunsystem der Kleinen einfach ausgetestet, wenn sie in die Kinderbetreuung kommen, egal zu welchem Zeitpunkt. Im Prinzip ist es auch egal, denn jetzt ist es eben so. Wir müssen das Beste daraus machen und können nur hoffen, dass der Frühling bald kommt und mit ihm die Infekte verschwinden und Arbeit und Kind wieder besser vereinbar sind. Schließlich wird das Kind ja nicht fürimmer ständig krank sein.

Nur Mut! Es geht vorbei

Falls auch ihr in der gleichen Situation seid: Habt Geduld und lasst euch nicht stressen. Wenn euer Kind euch braucht, dann seid für es da. Die versäumten Stunden mit euren Kindern in den ersten Lebensjahren gibt euch niemand zurück und sie werden schneller genesen, wenn sie sich wohl und gut aufgehoben fühlen. Seid euch sicher, dass  – schneller als euch vielleicht lieb ist – eine Zeit anbrechen wird, in der eure Kinder euch nicht mehr in dem Maße brauchen und ihr euch wieder mehr auf den Job konzentrieren könnt. Bis dahin wünsche ich euch viel Kraft und Durchhaltevermögen für euren Spagat zwischen Arbeit und Familie.