Bereits mein gesamtes Leben lang, kämpfe ich mit meiner Flugangst. Meine Eltern sagen, ich wäre schon als kleines Kind immer panisch gewesen. Als Teenager traute ich mich für einige Jahre in gar kein Flugzeug rein, aber als dann alle meine engsten Freunde mit der Schule für einen Englisch-Sommerkurs nach England flogen – außer ich, weil ich mich nicht traute – brach für mich eine Welt zusammen. Ich weinte bitterlich und ich wusste, dass ich etwas dagegen tun musste. Ich las diverse Bücher zum Bekämpfen der Flugangst, aber all diese Statistiken halfen mir sehr wenig, weil ich einfach viel zu viel hinterfragte und Menschen nichts in der Luft zu suchen haben. Obwohl ich es irgendwann geschafft habe, wieder in ein Flugzeug einzusteigen, verfolgt mich die Angst bis heute.

Eine Zeit lang konnte ich bereits Tage vor dem Flug nicht richtig essen, geschweige denn schlafen. Und der eine oder andere Sitznachbar hatte in manchen Fällen nach dem Flug kein Blut mehr in der Hand (einer davon sogar bereits nach dem Start).

Nun war die erste Nachricht in meinem neuen Job folgende: „Du fliegst an deinem ersten Arbeitstag nach Kalifornien!“ Das können nur wenige Leute behaupten und ich freute mich riesig. Doch gleich nach dem Jubelschrei kam der Moment, in dem mir bewusst wurde, wie lang dieser Flug sein würde und vor allem dass ich alleine fliegen würde. Niemand würde meine Hand halten, niemand würde mich in den Flieger zerren, wenn ich plötzlich Panik bekomme und nicht einsteigen möchte und niemand würde mich beim Start ablenken.

Meine Probleme sind der Start und die Landung. Ich habe für mich selbst erkannt, dass ich das alleine schaffen kann, wenn ich mich beschäftige. Meine besten Freunde in der Luft, wenn ich alleine fliegen muss, sind meine Musik, ein Sudoku-Heftchen, ein Kreuzworträtsel, ein leerer Block und ein Stift.

Letztendlich hat mir die viele Praxiserfahrung im „Alleine-Fliegen“ dazu verholfen, das Ganze ein wenig lockerer zu nehmen. Die Nervosität beginnt bei mir mittlerweile nicht mehr Wochen vor Abflug, sondern nur noch wenige Stunden davor. Ich kann sogar aus dem Fenster schauen und Bilder machen, was früher niemals möglich gewesen wäre.

Ich bin mir zwar sicher, dass ich das Fliegen nie lieben werde, aber ich habe für mich einen Weg gefunden, mit meiner Angst klarzukommen und darauf bin ich sehr stolz.

Wie schade wäre es nur auf all diese tollen Reisen und Orte, die es zu entdecken gibt, zu verzichten? Das ist mir die Angst und einige Stunden Übelkeit wert. Denn wie hat Aurelius Augustinus gesagt? Die Welt ist ein Buch – und wer nicht reist, liest nur eine Seite davon. Ich möchte noch vieles von der Welt sehen und auf jeden Fall alle Ziele auf meiner „Bucket List“ bereisen. Wenn es ohne Flugzeug geht auf jeden Fall ohne, aber wenn es sein muss, dann schaffe ich auch das.

Falls ihr auch eine Angst habt, mit der ihr kämpft, rate ich euch, dass ihr sie immer wieder, Schritt für Schritt, konfrontiert. Sie ganz loszuwerden, sollte gar nicht das Ziel sein, sondern nur, gut damit leben zu können.